ÜBER LOHRMANN

  

 

 

                                                                                                                  

 

 

                                                                  

 

Wilhelm Gotthelf Lohrmann 1796 - 1840

 

1. Persönliche Daten

am 31. Januar 1796

als Sohn des Ziegelmeisters Wilhelm Gotthelf Lohrmann in der Dresdner Festungs- und Amtsziegelei geboren

1802 – 1810

Besuch der Pfeilschmidtschen Garnisonsschule in Dresden

1810 – 1811

Mitarbeit in der väterlichen Ziegelei

1811 – 1814

Architekturstudium an der Bauschule der bildenden Künste zu Dresden

19. September 1812

Tod der Mutter

1814

Umzug in das neue Wohnhaus in der Pirnaischen Vorstadt Dresdens

24. Dezember 1817

Tod des Vaters

12. September 1819

Erste Ehe mit Christiane Amalie geb. Seifert; aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor (vier Söhne und zwei Töchter)

28. Januar 1827

Tod der ersten Ehefrau

17. Februar 1828

Zweite Ehe mit Henriette geb. Raschig; aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor (drei Söhne und eine Tochter)

26. Oktober 1830

Wahl zum Kommune-Repräsentanten der Stadt Dresden

17. April 1837

erneute Wahl in das Dresdner Stadtparlament

20. Februar 1840

Tod nach kurzer Krankheit

Die Nachfahren Lohrmanns lassen sich bis in die Gegenwart verfolgen. Angehörige der 4. und 5. Generation sind Mitglieder  des „Wilhelm-Gotthelf-Lohrmann-Club“ e.V.

 

 

2. Die wichtigsten Daten der beruflichen Laufbahn

1815

begann Lohrmann nach Architekturstudium und Baupraktikum seine geodätische Laufbahn als Volontär der „Königlichen-Cameral-Vermessungsanstalt“.

1815 – 1822

Vermessung mehrerer Königlicher Kammergüter mit Anlage der Lagerbücher.

24. Januar 1816

Verpflichtung als Feldmesser und Übertragung einer Abschlussarbeit (Vermessung und Kartierung der Königlichen Gärten an der Ostra-Allee in Dresden.

1817

Auftrag zur Anfertigung einer „Kameralkarte von Sachsen“, Übergabe von 10 Blättern am 27. Februar 1821.

22. Januar 1818

Verleihung des Titels „Kameral-Vermessungs-Condukteur“

1819 – 1830

Arbeiten an der Elbstromkarte (Vermessung und Kartierung), ab 1823 als Revident, Versuche zur Ergründung der Periodizität der Hochfluten und der Wasserstände der Elbe

1822 – 1839

Betreuung , Überwachung  und Detailarbeiten für die Aufnahme von sächsischen Flößen

1819 - 1835

Kopierung von insgesamt 24 Meilenblättern der sächsischen Ingenieurkarte (z. B. Große Kopie für das Oberbergamt Freiberg)

seit 1820

astronomische Beobachtungen im privaten Observatorium Neue Gasse

1821 – 1836

Vermessung und Zeichnung der Mondtopographie am Fernrohr

1822

Studienreise durch das südliche Deutschland, die Schweiz und Österreich mit dem Kameralvermessungsdirektor von Schlieben

1823 – 1833

Systematische barometrische Höhenmessungen in Sachsen

1823

Beförderung zum „Revidenten der Kameralvermessung“ und zum „Vermessungs-Inspektor“

10. März 1823

Leiter der neu gegründeten „Königlich-Sächsischen-Lithographischen Gravieranstalt“ und Steindruckerei in Dresden (bis zur Auflösung dieser Anstalt im Jahre 1835)

1825 – 1830

Bearbeitung eines umfangreichen trigonometrischen Netzes im Erzgebirge für die Katasterprobemessung 

seit 1826

Ausarbeitung und Lithographierung der „Charte des Königreichs Sachsen und der angrenzenden Länderabteilungen“ und der „Geognostischen Spezialkarte des Königreichs Sachsen“ im Maßstab 1 : 120 000

23. Oktober 1827

Mitbegründer der 1828 eröffneten Technischen Bildungsanstalt  zu Dresden (Erster Vorläufer der heutigen Technischen Universität Dresden) und Berufung zum nebenamtlichen Vorsteher (ab 1835 mit direktionalen Befugnissen)

28. November 1827

Als Oberinspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden nebenamtlich berufen.

ab 1828

Astronomische Beobachtungen und Berechnungen im Dienstobservatorium am Mathematisch-Physikalischen Salon im Dresdner Zwinger. 
Mit dem Großen Passageinstrument von Cary ermittelte Lohrmann die Mittagslinie Rähnitz – Rippien und errichtete in diesen Orten Meridiansäulen. Die Meridiansäule in Rähnitz ist noch heute vorhanden.

ab 1828

Regelmäßige Bestimmung und öffentliche Bekanntgabe der astronomischen Ortszeit von Dresden

1833

Vorschlag Lohrmanns für eine linkselbisch (über Meißen) verlaufende Trasse der Leipzig-Dresdner Eisenbahn. Ausgeführt wurde jedoch die rechtselbische Trasse über Wurzen, Elbübergang bei Strehla, Nünchritz.
Die Eröffnung der Gesamtlinie erfolgte am 07. April 1839. 

1834/35

Höhenmessungen für die geognostische Landeskarte.
Nivellement und Detailkartierung der Eisenbahntrasse zwischen Leipzig und Wurzen.

1836

Gründung des „Dresdner Actien-Maschinenbau-Vereins“ und dessen Maschinenbauanstalt in Übigau auf Initiative von Prof. Johann Andreas Schubert und Lohrmann; Wahl zum stellvertretenden Direktor.In den Übigauer Werkstätten wurde 1837/38 die erste funktionsfähige deutsche Lokomotive „Saxonia“ gebaut.

1836

Herausgabe der Kleinen Mondkarte (38,5 cm Durchmesser).

Okt./Nov. 1836

Reise nach England im Auftrag des Eisenbahnkomitees der „Erzgebirgischen Eisenbahn“

1837/38

Lohrmann erarbeitet weitere Vorschläge für die sächsischen Eisenbahnen:
- Erzgebirgische oder Riesa-Chemnitzer-Zwickauer Eisenbahn
- Oberlausitzer bzw. Sächsisch-Schlesische Eisenbahn von 
  Dresden über Bautzen, Löbau nach Görlitz
 
- Zweigbahn Löbau – Zittau 

15. Oktober 1837

Eröffnung der von Lohrmann geleiteten Dresdner Baugewerkeschule

13. September 1839

Ernennung zum interimistischen Leiter der Sächsischen Kameral-vermessungsanstalt nach dem Tode des Direktors von Schlieben

01. Januar 1840

Ernennung zum Direktor der Sächsischen Kameralvermessungsanstalt

  

 

3. Mitglied in wissenschaftlichen Vereinigungen

15. September 1821

Mitglied in der „Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Dresden“

16. April 1822

Durch Diplom Ernennung zum ordentlichen Mitglied der „Ökonomischen Gesellschaft im Königreich Sachsen“.

04. Dezember 1824

Ernennung zum Mitglied der „Naturforschenden Gesellschaft zu Halle“

27. Juli 1825

Aufnahme in die „Schweizer Gesellschaft für Naturforscher“

03. März 1826

Ernennung zum Mitglied im „Kunst- und Handwerkerverein im Herzogtum Altenburg“.

01. Januar 1830

Ernennung zum Mitglied des „Industrievereins für das Königreich Sachsen“

22. Januar 1831

Mitbegründer und Schriftführer des „Statistischen Vereins für das Königreich Sachsen“

31. Januar 1834

Mitbegründer des „Gewerbevereins zu Dresden“

06. April 1834

Ehrenmitglied des „Leipzig-Dresdner-Eisenbahn-Comités.

01. Juli 1834

Ehrenmitglied der „Leipziger Polytechnischen Gesellschaft“.

18. Februar 1835

Beitritt in die “Gesellschaft für Botanik und Gartenbau in Dresden“ (auch „Flora“ genannt).

 

Lohrmann gehörte bereits frühzeitig den vereinten Logen „Zu den drei Schwerdtern und Asträa zur grünenden Raute" an.

  

 

4. Wissenschaftliche Veröffentlichungen (Auswahl)

1822

„Planetensystem der Sonne“

1824

Erste Abteilung der „Topographie der sichtbaren Mondoberfläche“

1824

Topographie der sichtbaren Mondoberfläche – Erste Abteilung mit VI Kupfertafeln.

1832

„Taschenatlas vom Königreich Sachsen“

1835

„Das Königreich Sachsen“ Übersichtskarte des Kgr. Sachsen im Maßstab 1 : 400 000

1836 oder 1837

„Karte des Mondes“ („Kleine Mondkarte“), 38,5 cm Durchmesser

1878

Mondkarte in 25 Sektionen und zwei Erläuterungstafeln. Diese Mondkarte wurde noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts (1963) durch den Verlag Johann Ambrosius Barth Leipzig gedruckt.

  

 

5. Ehrungen

1928

Anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der Technischen Hochschule Dresden wurde zu Ehren Lohrmanns eine Gedenktafel an der Meridiansäule Dresden-Rähnitz angebracht.

1953

Würdigung Lohrmanns als erster Vorsteher der Technischen Bildungsanstalt in der Festschrift anlässlich des 125jährigen Bestehens der Technischen Hochschule Dresden

07. September 1955

Enthüllung einer neuen Lohrmann-Gedenktafel an der Meridiansäule in Dresden-Rähnitz durch den Rektor der TH Professor Dr.-Ing. Horst Peschel

06. Oktober 1961

Gründung des „Lohrmann-Instituts für Geodätische Astronomie“ im Zusammenhang mit der Verleihung des Status einer Technischen Universität Dresden.

20. Februar 1990

Gedenk-Kolloquium aus Anlaß des 150. Todestages von Wilhelm-Gotthelf  Lohrmann in der TU Dresden, Sektion Geodäsie und Kartographie.

31. Januar 1996

Eröffnung der „W.-G.-Lohrmann-Ausstellung“ im Mathematisch-Physikalischen Salon Dresden und Festvortrag von Prof. Soffel, TU Dresden anlässlich des 200. Geburtstages von Wilhelm Gotthelf Lohrmann.

  

 

Quellenverzeichnis

Hartenstein, H.:

Notizen über Wilhelm Gotthelf Lohrmann, einem Dresdner Geodäten, Meteorologen und Astronomen

Stams, W.:

Wilhelm Gotthelf Lohrmanns kartographische Arbeiten in:
Sächsische Heimatblätter, S. 1 – 12, Zeitschrift für sächsische Geschichte, Denkmalpflege, Natur und Umwelt, 42. Jahrgang, Heft 1/1996

Weichold, A.:

Wilhelm Gotthelf Lohrmann, 1796 – 1840
Lebensbild eines hervorragenden Geodäten, Topographen, Astronomen, Meteorologen und Förderer der Technik
Johann Ambrosius Barth, Leipzig 1985

 

 

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