Bericht über den erneuerten Lohrmann-Grabstein im Mitteilungsblatt, Heft 1/2008,

des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW) – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation  und Landesmanagement -  Landesverein Sachsen

 

Neuer Grabstein für Wilhelm Gotthelf Lohrmann

 

Am 5. April 2008 fand auf dem Eliasfriedhof in Dresden die feierliche Enthüllung des neuen Grabsteins von Wilhelm Gotthelf Lohrmann statt.

 

Dank der Initiative des Wilhelm-Gotthelf-Lohrmann-Clubs konnte nach Absprachen mit den Denkmalpflegern des Freistaates Sachsen und der Stadt Dresden eine vom Dresdner Steinmetzmeister Elmar Vogel gefertigte originalgetreue Kopie aufgestellt werden. Der Originalstein, 1928 letztmals überarbeitet, befand sich in den vergangenen Jahren in einem äußerst schlechten Zustand. Die notwendigen gut 4.500 Euro brachten der Lohrmann-Club, die Technische Universität Dresden, Nachfahren Lohrmanns, der Landesverein Sachsen des DVW und weitere Spender auf.

 

In seiner Gedenkrede sprach der Vorsitzende des Wilhelm-Gotthelf-Lohrmann-Clubs Prof. Johann-Hinrich Walter zunächst über die am Tag des Begräbnisses, dem 23.02.1840, versammelte Trauergemeinde. Sie bestand u. a. aus seiner 2. Ehefrau Henriette, seinem Sohn Heinrich, der 13 Jahre später im Grab des Vaters bestattet wurde, und den Berufskollegen, unter ihnen Prof. Löwe, der die Grabrede hielt. Immer wieder zog Prof. Walter Parallelen zur Gegenwart, so als er über die zu allen Zeiten existierenden Probleme der Hochschulrektoren sprach, oder als neben dem heutigen Rektor Prof. Kokenge zwei weitere Amtsnachfolger Lohrmanns angesprochen wurden, Dr. Schillinger und Dr. Plaßmeyer für den Mathematisch-Physikalischen Salon.

 

Abschließend dankte Prof. Walter allen, die es möglich gemacht haben, dass das Andenken Lohrmanns weiter wach gehalten wird. Dazu zählen - neben den Geldgebern für den neuen Grabstein - Arthur Weichold, der das Lohrmann-Buch geschrieben hat und Altmagnifizenz Prof. Peschel, der 1955 als Rektor die Nachfahren Lohrmanns zusammenführte. Auf das Zusammenwirken beider gehen die Erinnerungstafel an der Meridiansäule in Rähnitz, die Lohrmann-Erinnerungsplakette und die Amtskette der TU-Rektoren zu DDR-Zeiten zurück.

 

Schließlich dankte er der Ururenkelin Lohrmanns Gertrud Rückert für ihren unermüdlichen Einsatz. Ihr allein stand es zu, den neuen Stein zu enthüllen.

 

Für die erschienenen Pressevertreter wurde die Enthüllung nach Abschluss der Veranstaltung nachgestellt.

 

Wilhelm Gotthelf Lohrmann wurde am 31.01.1796 in Dresden geboren. Er studierte von 1811-14 an der Bauschule der Akademie der bildenden Künste Architektur, wandte sich mit 19 Jahren aber der Geodäsie zu und wurde Volontär der Kameralvermessungsanstalt. 1817 wurde er mit der Anfertigung einer "Kameralkarte von Sachsen" beauftragt, die er 1821 in 10 Blättern fertigstellte. 1819-30 vermaß er die Elbe und kartierte sie in der "Elbstromkarte". Von 1821-1836 erforschte Lohrmann die Mondtopographie und fertigte eine Mondkarte an.

 

Die von 1825-30 von ihm ausgeführten trigonometrischen Kameralvermessungen dienten als Grundlage für die exakte Bestimmung der geographischen Lage Dresdens. Dazu wurden in Rippien und Rähnitz Meridiansäulen errichtet, von denen die in Rähnitz noch heute erhalten ist.

Ab 1827 war Lohrmann gleichzeitig Oberinspektor des "Mathematisch-Physikalischen Salons zu Dresden". Zu dieser Zeit kämpfte er bereits 5 Jahre zusammen mit dem Direktor der Kameralvermessungsanstalt und der Finanz-Plan-Kammer Wilhelm Ernst August von Schlieben für die Errichtung einer technischen Bildungsanstalt. Am 23.08.1827 setzte der neue König Anton seine Unterschrift unter das Gründungsdekret, das die Direktion der Lehranstalt - unter Beauftragung eines besonderen Vorstehers - der Landesökonomie-, Manufaktur und Kommerziendeputation unterstellte. Dieser Vorsteher war Lohrmann, der somit als Gründungsrektor der heutigen TU Dresden gilt. 1840 wurde Lohrmann zum Direktor der Kameralvermessungsanstalt berufen, er starb jedoch am 20.02.1840 noch vor Amtsantritt.

 

Der Dresdner Eliasfriedhof an der Ziegelstraße wurde 1680 als Seuchen- und Pestfriedhof auf Anordnung des Kurfürsten (1656) Johann Georg II. (1613-1680) angelegt. Die nach unterschiedlichen Quellen zwischen rund 5.000 und mehr als 11.000 Pesttoten - Dresden hatte damals gerade einmal etwa 15.000 Einwohner - wurden im Westteil des Friedhofes in Massengräbern bestattet. Danach diente der Friedhof der allgemeinen Nutzung, wurde aber hauptsächlich als Armenfriedhof genutzt, da diese ihre Toten hier kostenlos bestatten konnten. Als im Zusammenhang mit der Errichtung der Bähr´schen Frauenkirche der Frauenkirchhof als Bestattungsplatz aufgehoben wurde, musste 1724 ein neuer Begräbnisplatz gefunden werden, weshalb der Friedhof um ein Stück Feld erweitert wurde.

Die Neugestaltung wurde Ratszimmermeister George Bähr übertragen.

Für die Honoratioren der Stadt errichtete man Grufthäuser, auch die umlaufenden Erbgräber an der Friedhofsmauer, die den Friedhof noch heute prägen, entstanden in jener Zeit.

Aufgrund des gestiegenen Ansehens des Friedhofs wurde er auch als Begräbnisstätte des Bildungsbürgertums und des Adels interessant, so sind hier u.a. Maler, Theologen, Mediziner und Militärs bestattet.

Mitte 1876 wurde auf dem Eliasfriedhof das letzte Begräbnis durchgeführt, 1924 wurde von der Polizei, vor allem aus Sicherheitsgründen, die Schließung verfügt. Das Betreten war nur noch mit Passierschein und auf eigene Verantwortung möglich. 1928 erfolgte die komplette Schließung für die Öffentlichkeit.

Seit ca. 1998 finden Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen statt. Der Friedhof ist nunmehr an bestimmten Tagen (Tag des Friedhofs, Denkmaltag) sowie in unregelmäßigen Abständen zu Führungen geöffnet.

 

R. Nitzsche

 

Quelle: Eliasfriedhof, Förderverein Eliasfriedhof Dresden e. V., Dresden, 2001 (?)